Vermessungspraktikum
Beschreibung des Vermessungspraktikums
EIN HAUFEN ROT WEIß GESREIFTER STANGEN:
Wir trafen uns morgens um 8 Uhr in der Schule, Kofferhaufen im Gang, räumten die Geräte in den Bus, großteils Dinge, deren Verwendungszweck nicht ganz ersichtlich war. Immer eigenartigere Dinge, ein Haufen lange rot weiß gestreifter Stangen, Stative, eigenartige Schachteln und eine Kiste voll mit Lampen.
Ein letzter Blick aus einer ungewohnten Busperspektive, auf Höhe des Straßenschildes neben dem Eingang, ins Schulhaus und dann im Rückwärtsgang aus der Baumbachstraße.
Nach einiger Zeit Fahrt, in der wir ungewohnterweise nur die letzten Reihen des Buses besetzten, das Haus.
Hier waren wir schon gewesen, wie schon bei der Theaterwoche lag dichter Nebel über dem Gebiet, die Felder lösten sich irgendwo im Weiß auf, alles war nur durch einen Schleier zu sehen. Auch das Essen war so gut geblieben, wie es war. Machmal wurden die Küchenfrauen fast umgerannt, von der hungrigen Klasse.
Die Zimmer bezogen, dann fingen sie an, zwei Wochen in denen wir uns immer wieder hinaus in die Kälte quälen mussten.
Die erste Aufgabe ein bis zwei Bilder aus der Umgebung zu malen, erwies sich als schwerer als gedacht, da wir froren und durch den Nebel die Landschaft kaum sehen konnten. Die Malblätter waren danach absolut nass.
Mit dem Haufen langer rot weis gestreifter Stangen lernten wir umzugehen, genauso wie mit Theodoliten (von denen ich unseren Theo taufte) Winkelprismen und Libellen.
Es kam zu verspäteter Nachtruhe, einmal gar einem nächtlichen Ausbruch (Freudentanz im Laternenlicht), bei dem uns der Rückweg, die Klofenster verschlossen wurden und sich dann die Haustüre als sperrangelweit offen darstellte. Eine kleine Feier gab es zu Ehren von Herrn Kaltenberger, der sein 20. Vermessungspraktikum mit uns verbracht hatte.
Die letzten zwei, drei Tage wurde schließlich durchgezeichnet, immer wieder hinausgegangen um einzelne Strecken nach zu messen, den letzten Abend zeichneten wir sogar bis nachts um zwei Uhr, bis es schließlich alle geschafft hatten.
Frau Correa erwies sich ein weiteres Mal als Engel indem sie, als alle krank wurden, in den Wald ging, Krauter sammelte und daraus Tee kochte. So etwas ist mir noch nie passiert.
Max weckte uns jeden Morgen mit Gitrarrenklängen, wobei er aber die Stimmung nachträglich mit Rufen und Händeklatschen störte, um uns aus den Betten zu bekommen. Als wir ihn darauf hinwiesen das wir uns wie Kühe vorkämen, die ein Cowboy vergeblich versuchte händeklatschend durch die Gegend zu treiben, lebten wir in idyllischer Ruhe.
Herr Kaltenberger, den wir bis jetzt gar nicht wirklich als Lehrer gehabt hatten, war ebenfalls immer sehr hilfsbereit und hatte nebenher sogar überraschenderweise Geburtstag, wozu wir ihm Pralinen schenkten, von denen er als einziger, aus guter Erziehung wahrscheinlich, behauptete, dass sie ausgezeichnet schmeckten, (ein paar Schüler spuckten die, die er ihnen angeboten hatte sogar hinter seinem Rücken in den Mistkübel).
Ganz zum Ende hin bekam dann jeder von Frau Correa, die selbst eine Urkunde verdient hätte, eine Urkunde für zwei von den persönlichen Fähigkeiten jedes Einzelnen.
Musikhörend betrachteten wir am Rückweg die vorbeiziehende Landschaft um nach der Fahrt wieder ungläubig die Zivilisation zu betrachten die einem in Linz normalerweise gar nicht auffällt.
Mit den anderen Geräten wurde auch der Haufen langer rot weiß gestreifter Stangen in den Keller verfrachtet, um nächstes Jahr wieder von anderen Schülern in einen anderen Bus getragen zu werden...
Marie Luise Lehner




