40 Jahre freie Waldorfschule Linz

Im Schuljahr 2017/18 feierte die freie Waldorfschule Linz mit zahlreichen Veranstaltungen ihr 40 Jahre Jubiläum. Nachfolgend ein Auszug aus dem Vorwort, der für diesen Anlass aufgelegten Festschrift.

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AUSZUG AUS DEM VORWORT DER FESTSCHRIFT (1. Auflage Mai 2018)

Jubiläen sind gute Momente des Innehaltens, einerseits für ein Anschauen des Standpunktes, des Entwickelten, andererseits für einen Blick voraus, für den weiteren Weg.

Wo kommen wir her?

Unser Schuljubiläum steht auch im Kontext der Vorbereitungen auf „100 Jahre Waldorfpädagogik“ im Jahr 2019, ausgehend von der ersten Schulgründung durch Rudolf Steiner in Stuttgart im Jahr 1919. Mit dieser Gründung wurde zum ersten Mal das Prinzip sozialer Gerechtigkeit im Bildungswesen verwirklicht. Unabhängig von sozialer Herkunft, Begabung oder späterem Beruf erhalten junge Menschen eine gemeinsame Bildung. Als erste Gesamtschule haben die Waldorfschulen das Prinzip der Auslese durch eine Pädagogik der Förderung abgelöst. Auf Basis der
von Rudolf Steiner entwickelten Menschenkunde richtet die Waldorfpädagogik den Fokus auf die Einzigartigkeit jedes Kindes, auf eine ganzheitliche Entwicklung von Körper, Geist und Seele aus sich heraus.


Wo stehen wir?

Der Spruch „In Linz beginnt´s“ trifft zwar nicht ganz zu, denn die Linzer Schule war die zweite in Österreich gegründete Schule nach jener in Wien-Mauer, vorne dabei war die Initiative jedenfalls. Seit der Pionierphase am Beginn hat sich inzwischen ein voll ausgebauter Schulbetrieb mit Öffentlichkeitsrecht über 12 Schulstufen und einem 13. Jahrgang zur Absolvierung der Matura entwickelt. Zusätzlich gibt es auch einen Ausbildungslehrgang für verschiedene handwerkliche Berufe, der für die Lehrabschlussprüfung vorbereitet. Im Rahmen der Selbstverwaltung wurden Strukturen aufgebaut und weiterentwickelt, um den gestiegenen rechtlichen Anforderungen und den gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung zu tragen. Aktuell besuchen rund 240 Schüler unsere Schule. Mehr als die Hälfte davon kommen nicht aus Linz, sodass die Schule weit über den Standort hinauswirkt und damit bedeutsam für das gesamte Bundesland ist. Rund 40 Pädagoginnen und Pädagogen und fast 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wirken an unserer Schule. Aufgrund der gegenüber konfessionellen Privatschulen nur geringen öffentlichen Finanzierung ist Vieles nur über die ehrenamtliche Arbeit engagierter Eltern möglich.

Was sind die Herausforderungen für die Zukunft?

Ein zentraler Punkt ist natürlich eine Verbesserung der (öffentlichen) Finanzierungssituation. Die erforderlichen (sozial gestaffelten) Elternbeiträge sind trotz geringerer Bezahlung der Pädagoginnen und Pädagogen gegenüber den öffentlichen Schulen für viele Familien nicht oder nur mehr mit großen Einschränkungen leistbar. Wir erleben dadurch, dass Familien ausschließlich aus finanziellen Gründen von einem Schulbesuch absehen, wir erleben aber auch, dass es das Recruiting und die Weiterentwicklung von Pädagoginnen und Pädagogen erschwert. In einer Zeit, in der immer mehr Angebote verfügbar sind, wird es außerdem erforderlich, sich zu fokussieren, auf das Besondere, das Wesentliche, und dieses auch für die Öffentlichkeit wahrnehmbar zu machen. 
Herausfordernd dabei sind insbesondere die unterschiedlichen, oft divergierenden Motive bzw. Ziele von Eltern für die Schulbildung ihrer Kinder, eine immer stärker an Interessen der Wirtschaft ausgerichtete „Aus“bildung (in Abgrenzung zu einer aus dem Inneren erwachsenden „Selbst“bildung) und die Auseinandersetzung mit neuen Medien, Kommunikations- und Interaktionsformen, die die Wahrnehmung beeinflussen. Vor diesem Hintergrund geht es um das Sichtbarmachen der Wurzeln, auf denen die Waldorfpädagogik und damit die Ausrichtung unserer Schule beruht, um jene wertvollen Kompetenzen, die aus den Kindern heraus erwachsen können und dürfen, mehr als um Faktenwissen oder die Form von Abschlüssen. Verbunden damit ist auch die Weiterentwicklung und Fokussierung des Angebotes (sei es in der Oberstufe, in der Nachmittagsbetreuung etc.) und die Qualitätssicherung des Unterrichts. 

Mein persönlicher Zugang

Ich bin das erste Mal der Waldorfpädagogik und der Linzer Waldorfschule im Rahmen meines Wirtschaftspädagogikstudiums Ende der 80er Jahre begegnet. Bereits damals war ich fasziniert von dem menschenkundlichen Zugang, der so gar nicht an gleichgeschalteter, standardisierter Reproduktion von Wissen sondern am individuellen Entwicklungsgeschehen mit der jeweils eigenen Geschwindigkeit des Kindes orientiert war. Seit damals hat mich dieser Zugang nicht mehr losgelassen und halte ich diesen Zugang für den Richtigen. Seit über 7 Jahren erlebe ich
dies nun unmittelbar an und mit meinen Kindern, in den positiven Aspekten wie auch in den Schwierigkeiten der pädagogischen Umsetzung dieses Ideals.

Zum Abschluss ein Dankeschön

Das Jubiläum ist schließlich auch ein Anlass, Dank auszusprechen, den Gründern, die den Mut aufgebracht haben, einen neuen Weg einzuschlagen, den Pädagoginnen und Pädagogen, die im Laufe der Jahre mit ihrem Engagement, mit ihrer Erfahrung und mit ihrer Menschlichkeit die Kinder begleitet haben, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die für Pädagogen, Schüler und Eltern Anlaufstelle in allen administrativen Anliegen waren und sind, allen, die mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit vieles ermöglicht haben, den Vertretern des Waldorfbundes, die für das gemeinsame Anliegen wirken, der Stadt Linz und dem Land Oberösterreich, die uns mit finanziellen Beiträgen unterstützen.

In diesem Sinne, herzlichen Glückwunsch zum 40-Jahr Jubiläum und eine gute Zukunft für die Freie Waldorfschule Linz!
Peter Gintenreiter | Obmann
Verein zur Förderung der Waldorfpädagogik